Venus, Mond und die sieben Schwestern

Für den 28. März war wieder der jährliche Astronomietag in ganz Deutschland und der Schweiz geplant. Da vor Ort keine Veranstaltungen stattfinden können, bietet der VdS (Verein der Sternfreunde) eine Online-Version an. Auf der Seite www.astronomietag.de  gibt es Informationen dazu. Ab 17 Uhr nimmt uns das "Haus der Astonomie" in Heidelberg live mit zu Venus, Mond und den sieben Schwestern - den Plejaden, die den abendlichen Sternhimmel zieren.

www.youtube.com/watch?v=d9VTvbw1XT8

Ein neuer Termin für den Astronomietag steht bereits fest: der 24. Oktober 2020.  Dann wird abends der Halbmond mit seiner Kraterlandschaft zu einem Spaziergang einladen, die Planeten Jupiter und Saturn sind am Abendhimmel zu sehen. Später hat der rote Planet Mars seinen Auftritt auf der Himmelsbühne.

 

Zur Einstimmung auf den abendlichen Himmel im März/April dient folgender Artikel

 

Der Astronomietag, der nicht sein sollte


Für das Universum ist unsere kleine Erde ohne Bedeutung. Coronavirus hin oder her, am 28. März wird der Mond den Planeten Venus ganz in der Nähe des Siebengestirns – auch Plejaden genannt – treffen. Sie können diesen schönen Himmelsanblick von Ihrem Balkon oder einer einsamen Wiese genießen. Unsere Sternwarte in Diedorf muss aber leider geschlossen bleiben.

Die Grafik oben zeigt den Himmelsanblick am 28. März um 20:00 Uhr in Richtung Westen. Die Grafik wurde dem Buch Kosmos Himmelsjahr 2020 entnommen. Die drei Hauptdarsteller des Abends treffen sich im Sternbild Stier. Der wütende Stier ist sehr markant: Die Sterngruppe der Hyaden bildet seinen dreieckigen Kopf mit dem rötlichen Stern Aldebaran als blutunterlaufenem Auge. Friedlichere Vereinskollegen erkennen in dieser Sterngruppe aber auch einfach eine gemütlich grasende Kuh.

Bitte machen Sie sich die Tiefe des Raumes klar, die sich hinter dieser Zusammenkunft der drei Objekte am Himmelszelt verbirgt. Der Mond ist ein treuer Begleiter und echter Nachbar unserer Erde. Er ist „nur“ 380.000 Kilometer entfernt, eine Distanz, die im Rahmen des Apollo-Programms mehrfach von den Erdbewohnern bewältigt wurde. Bis zu den Plejaden sind es aber über 400 Lichtjahre, also etwa 4.000 Billionen Kilometer!

Eigentlich steht einem so kleinen Planeten wie unserer Erde so ein großer Mond gar nicht zu. Die Planeten Merkur und Venus haben schließlich gar keinen Mond, der Mars nur zwei kleine Kartoffeln. So war es schon immer ein interessantes Problem für die Astronomie herauszufinden, wie die Erde zu diesem großen Begleiter mit einem Durchmesser von 3.480 Kilometer kam. Durchgesetzt hat sich die Einschlagstheorie. In der Frühzeit unseres Sonnensystems kam es demnach zu einem kosmischen Auffahrunfall, bei dem ein marsgroßer Protoplanet unserer jungen Erde Material entrissen hat, aus dem sich dann in der Erdumlaufbahn der Mond formte. Neuere Computersimulationen erlauben sogar die Entstehung von gleich zwei Monden aus diesen Einschlagstrümmern. Der kleinere davon soll dann auf unseren heutigen Mond gestürzt sein und dann mit seinem Auswurfmaterial das lunare Hochland auf der Rückseite des Mondes geschaffen haben. Die Spur dieses gewaltigen Mondabsturzes erkennen Raumfahrer am Südpol des Mondes. Es ist der  2.240 Kilometer durchmessende Krater namens Südpol-Aitken-Becken. Auf der Seite des Mondes, die unserer Erde zugewandt ist, sehen wir nicht nur graues Hochland, sondern auch das Mondgesicht. Es besteht aus dunklem Basalt-Gestein, das einst als glühende Lava große Einschlagsbecken flutete.

Während der Mond auch im kleinen Teleskop zu visuellen Spaziergängen über seine Oberfläche einlädt, verbirgt die strahlende Venus ihr Antlitz unter einer dicken Wolkendecke. Im reflektierten Sonnenlicht dieser Wolken strahlt die Venus derzeit als Abendstern so hell, wie kein anderes Himmelsobjekt, ausgenommen natürlich die Sonne und der Mond. Im Teleskop zeigt die Venus Phasengestalten wie wir sie vom Mond kennen. Die Venus durchläuft alle Phasen von der Neu-Venus über die Halb-Venus zur Voll-Venus und wieder zurück.

Dieser Phasenwechsel ergibt sich ganz natürlich aus der Stellung der Venus zwischen Sonne und Erde, wie diese Grafik aus dem Buch Kosmos Himmelsjahr 2020 zeigt:


So anschaulich kann dieses Phänomen aber nur in einem heliozentrischen Weltbild erklärt werden. Stellt man sich vor, dass die Erde im Zentrum unseres Universums ruht, ist die Erklärung wesentlich umständlicher. Galileo Galilei war einer der ersten teleskopischen Beobachter, der bereits im Jahre 1610 seine Beobachtungen detailliert veröffentlichte. Für ihn  war die Entdeckung der Phasengestalten der Venus ein starkes Indiz für die Richtigkeit des kopernikanischen Weltbildes.

Für manchen mag es überraschend sein, dass die Venus tatsächlich unser nächster planetarischer Nachbar ist. Sie kommt der Erde bis auf 39 Millionen Kilometer nahe. Der mit 56 Millionen Kilometern Mindestabstand deutlich entferntere Mars hat die wesentlich bessere Presse. Schließlich versperren nur zarte Wölkchen den Blick auf seine Oberfläche, auf der die Wissenschaftler Landegeräte und Fahrzeuge  absetzen können. Obwohl die Venus fast genau so groß wie unsere Erde ist und ihr relativ nahe steht, ist sie doch viel ungastlicher. Die dichte Atmosphäre aus 96,5% Kohlendioxid führt zu einem gewaltigen Treibhauseffekt. Mit bis zu 490° Celsius ist ihre Oberfläche sogar heißer, als die des sonnennahen Planeten Merkur. Dafür eignet sich die dicke Atmosphäre für den Aufenthalt  von Luftschiffen – Pläne dafür liegen in den Schubladen der Raumfahrtingenieure bereit. Der Sciencefiction-Freund mag an die Stadt in den Wolken aus Star Wars denken.

Mit all dem haben die Plejaden nichts zu tun. Sie gehören nicht zu unserem Sonnensystem. Die auch Siebengestirn genannte Anhäufung von Sternen ist so auffällig, dass sie schon unseren Vorfahren als Kalendergestirn gedient haben. Ihr erstes und letztes Auftreten am Nachthimmel waren wichtige Marker für die Jahreszeiten. In neuerer Zeit haben sie es auf das Emblem des Autoherstellers Subaru geschafft.

Die Plejaden schaut man sich am besten im Fernglas an. Ihre Winkelausdehnung ist etwa doppelt so groß, wie die des Vollmonds, so dass man im Teleskop die Plejaden nur schwer komplett überblicken kann. Die Sterne der Plejaden stehen nicht zufällig zusammen. Es ist eine Clique jugendlicher Sterne, die gemeinsam entstanden sind und daher etwa gleich alt sind, nämlich circa 100 Millionen Jahre. Die sieben (Sind es wirklich sieben? Wie viele sehen Sie mit bloßem Auge?) hellsten Sterne haben wohlklingende Eigennamen aus der griechischen Mythologie. Es handelt sich um den Titanen Atlas, seine Frau Pleione und ihre sieben Töchter namens Alkione, Electra, Maia, Merope, Taygeta, Celaeno und Asterope. Nicht nur in der Astrophysik, auch in der Mythologie handelt es sich bei den Sternen um Geschwister.

Die hellen, bläulichen Sterne, die wir in den Plejaden mit bloßem Auge sehen können, sind etwas massereicher als unsere Sonne. Bei Sternen bedeutet mehr Masse eine kürzere Lebensdauer und eine größere Helligkeit, bzw. Oberflächentemperatur. Massereiche Sterne leben energieverschwenderisch und relativ kurz.  Als die Plejaden entstanden sind, hatte unsere Sonne längst ein friedvolles Erwachsenenalter erreicht und unsere Sonne wird noch da sein, wenn die hellsten Sterne der Plejaden erloschen sind.

Ein kleiner Trost: Die Plejaden bestehen nicht nur aus den hellen Sternen mit klangvollen Namen, sondern aus circa 500 weiteren Sternen, die sich erst im Teleskop verraten. Diese bescheidenen Sterne werden den Tod ihrer berühmten sieben Geschwister überdauern.

Text: Stefan Taube

Bilder: Kosmos Verlag, Stuttgart

 

 

Letzte Änderung am: Sa 28 Mr 2020 10:03:15 CET - geändert durch: Christine Zerbe

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